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Relief
Ecce homo (für A.Y.)
Lamm
 
 
 
Ecce homo (für A.Y.) Bronze
Ansicht [1] [2] [3] [4] [5] Höhe ca. 110 cm
 
  In der Abfolge der Künstlergenerationen kündigt sich mit dem Werk des Bildhauers Erik Neukirchner eine neue formale Radikalität und Eigenständigkeit figürlicher Plastik an. Mit seinen rhythmischen, ideellen Modulationen taucht eine neue Körperlandschaft auf, eine fast gotische Zartheit, in der er selbst die Schreckensfolgen von Krieg und Gewalt eindrucksvoll zu fassen vermag.
Im Frühjahr 2012 entstand Erik Neukirchners knabenhafter Ecce homo — zu deutsch: seht, ein Mensch. Das sagte Pilatus zu den Juden, als er ihnen Christus zur Hinrichtung übergab. Erik Neukirchner offenbart die Gestalt eines Jungen, der schutzlos in einer ihn nicht bergenden Welt nur über die empfindsame Substanz des verwundeten Leibes verfügt, dessen schrundige Oberfläche als Übergangszone zwischen Körper und Umraum wie ein Nimbus aufleuchtet.
  So entsteht eine ideelle Hülle um die Figur, die ihre Integrität sichert und ihr eine Aura unangreifbarer Spiritualität verleiht. Im Bildwerk halten sich gestische Verhaltenheit und expressive Gebärde die Balance. Die Verunsicherung des aufrechten Standes durch den leicht aus der Senkrechte genommenen Körper wird durch die Neigung des Kopfes verstärkt. Die Blindheit der rechten Gesichtshälfte unterstützt den Eindruck hingebungsvollen Lauschens - nach Innen und nach Außen - als eine der verbleibenden Möglichkeiten, die sinnlichen Kräfte zu gebrauchen. Gleichgewicht erlangt die Gestalt durch den weggestreckten Arm, dessen verstümmelte Hand behutsam ihren Umraum erfühlt.
Ihrer Materialität trotzend, liegt in der schwebenden Vertikalität der Figur eine Tendenz zur Befreiung aus der Weltgebundenheit, die den Gefühlsgehalt der Körpersprache berührend steigert.
  Die Sensibilität der Ausstrahlung einer ohnmächtigen Stille kann nicht als Schwäche verstanden werden, sondern als Schutzgeste gegen die zynische Brutalität einer Kriegsmaschinerie. Hier setzt die Übertragung in die übergreifende christliche Ecce-homo-Ikonografie an. Sie greift in der Verdichtung der äußeren Verletzungen zu einer schützenden Rinde den Ausdruck der verletzlichen Würde des Menschen auf.
Die Arbeit geht auf den Eindruck eines Fotos von einem durch Streumunition verwundeten irakischen Kind zurück.

(Susanne Hebecker, Erfurt)
 
             
 
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